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TARSIUS WELT


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Die Legende vom Tarsius

Vor langer, langer, oh so langer Zeit, als die Männer noch Frauen und die Frauen noch Männer waren - und nicht wie heute nur so tun -, lebten in den dichten ebenen Wäldern Malakkas, in einem von den Einfältigkeiten zivilisierter Humanität verschonten Dorf eine Frau und ein Mann, die einander so sehr liebten wie nie ein Menschenpaar zuvor, die einander so vertieft und leidenschaftlich begehrten und ehrten, dass der Mann sich wünschte, er könnte nur einmal die Welt durch die Seele seiner Frau erleben, und die Frau sich nur ein einziges Mal in das Rätsel ihres Mannes einfühlen.

In diesen paradiesischen Endlosreim einer seltenen, seltsamen Liebe wurde der mächtigste Baum des Waldes gefällt: die Frau starb an einem unheilbaren Tropenfieber. Es erfüllte sich das Gesetz der Götter von Malakka und ihrer Kinder, da sich der Geist der verstorbenen Geliebten in das Tier, in das Totem ihrer Seele verwandelte. Sie wurde zu einer Löwin (wie gesagt waren damals die Frauen noch Männer; wer weiß, in was sich die Geliebte heutig verwandelt hätte ...).

Aber die Liebe zu ihrem Mann verließ die Frau und Löwin nicht. So strich sie, von der Nacht beschützt vor den anderen Dorfbewohnern und vor allem den Dorfbewohnerinnen, um das Haus ihres Geliebten. Und so erwartete sie ihr Gemahl in jeder Nacht. Und mit jeder Begegnung wurde beider Wunsch größer, mächtiger, selbstverständlicher, sich ein allerletztes Mal miteinander zu einen.

Da in jenen Tagen die Lust auf das Tier noch unbekannt war, flehte der Mann zu den Göttern ein ganzes Jahr lang. Sein Wunsch wurde erhört, die Götter sprachen zu ihm. Und gaben zu bedenken: "Wir können dich sehr wohl eins machen mit deiner geliebten, verstorbenen Frau. Doch geben wir dir eines zu bedenken: Was auch immer dein Totem ist, wird sich mit dem des Löwen kreuzen. Ihr könntet einen Drachen hervorbringen!" Dem Mann war das gleich. "Bedenke, deine geliebte Frau besitzt die Macht des Löwentotems. Gepaart mit deiner Kraft, mit deiner Beharrlichkeit und deinem Geschick könnte eine menschenfressende Bestie daraus erwachsen!" Der Mann jedoch hatte keine Furcht, er wollte zu seinem geliebten Weibe.

So vereinten die Götter ihn mit seiner verstorbenen Frau und großen Liebe. Die Löwennatur der Frau paarte sich mit dem Wesen des Mannes und diese Einigung gebar keinen Drachen, stattdessen eine winzige Gestalt mit riesigen, leuchtenden Augen, die den Tag für die Nacht verschläft, am liebsten Asseln frisst und sich aus reiner Freude und voller Zutrauen in den Wäldern Malakkas auf die Schultern einsamer Wanderer fallen lässt: Das magische Wesen Tarsius.

Und seit dieser Zeit, seit dieser großen Menschenliebe in den Wäldern Malakkas, sagt man, jeden Moment, da sich ein Mann liebend in eine Frau, und eine Frau liebend in einen Mann einfühlt, wird irgendwo auf dieser komplizierten und schönen Welt ein Tarsius geboren ...